Ihr Hund wird in der Pubertät aggressiv?

Was Sie über das aggressive Verhalten Ihres Hundes in der Pubertät wissen sollten

Noch vor wenigen Wochen war alles normal – und dann hört Ihr Hund plötzlich nicht mehr, vergisst alle bereits erlernten Kommandos und zeigt sich aggressiv gegenüber seinen Artgenossen. Ihr Hund steckt gerade mitten in der Pubertät? Dann ist rüpelhaftes oder aggressives Verhalten oft zu beobachten. Im Artikel sagen wir Ihnen, was Sie über das aggressive Verhalten Ihres Hundes in der Pubertät wissen sollten und wie Sie diese Zeit gemeinsam meistern.

Ihr Hund zeigt in der Pubertät aggressives Verhalten – ganz normal oder Grund zur Sorge?

Junghunde werden in der Pubertät nicht pauschal aggressiver. Hunde testen in dieser Lebensphase ihre Grenzen aus. Sie verhalten sich rüpelhaft, reagieren mit Stimmungsschwankungen auf ihre Umwelt und zeigen auch Aggressivität gegenüber Artgenossen sowie Menschen. Diese Verhaltensänderungen treten meist sehr plötzlich auf und sorgen so für Verunsicherung bei Hund und Halter. Nach einigen Monaten ist diese Phase jedoch wieder vorbei. Es ist wichtig, Ihren Hund in dieser Zeit zu unterstützen, denn auch für ihn ist diese Zeit sehr aufwühlend und anstrengend. Auch das aggressive Verhalten Ihres Hundes ist deshalb erst mal ganz normal, jedoch bedarf es der Geduld und des Durchhaltevermögens, um diese Zeit gut zu meistern.

 

In der Pubertät testen Hunde ihre Grenzen aus.

 

Warum werden Hunde in der Pubertät aggressiv?

In der Pubertät erreichen Hunde ihre Geschlechtsreife. Es kommt zu wichtigen geistigen und körperlichen Veränderungen, auf die der Hund keinen Einfluss hat. Das Gehirn eines Hundes ist zu dieser Zeit wie eine große Baustelle, in der sich vieles neu sortiert. Folgende Entwicklungen im Gehirn beeinflussen das Verhalten von Hunden in der Pubertät: 

  • Die Freisetzung von Geschlechtshormonen wird aktiviert. Emotionales und infantiles Verhalten wird in rationales und erwachsenes Verhalten „überführt“. 
  • Außerdem vergrößert sich das emotionale Bewertungszentrum, das für Wahrnehmung und Reaktion zuständig ist. Ihr Hund reagiert in dieser Zeit sensibler und stärker auf äußere Einflüsse. Neben Angstverhalten äußert sich diese Entwicklung auch in aggressivem Verhalten

 

Die Entwicklung des emotionalen Bewertungszentrums im Gehirn kann zu Aggressionsverhalten in der Pubertät führen. 

 

  • In der Großhirnrinde finden in der Pubertät „Aufräumarbeiten“ statt. Das planvolle Handeln entwickelt sich. Bei diesem Prozess wird nur das beibehalten, was auch gebraucht wird. Überflüssige Nervenzellen und Verknüpfungen werden abgebaut. Ihr Hund kann in dieser Zeit viele Vorgänge nicht „störungsfrei“ ausführen. 
  • Der Teil des Gehirns, in dem der Arbeitsspeicher sitzt, wird in der Pubertät kleiner und entwickelt sich erst später. Impulse können weniger kontrolliert und Risiken schlechter abgeschätzt werden.
  • Zusätzlich sorgt die verstärkte Produktion des Hormons Cortisol für Stress beim Hund. Pubertierende Hunde reagieren somit auch empfindlicher auf Berührungen.
  • Der Hormonhaushalt wird außerdem durch Dopamin und eine veränderte Empfindlichkeit der Rezeptoren verändert. Das bedeutet Stress und Nervosität für den Hund und lässt ihn stärker auf äußere Reize reagieren.

 

Besonders bei Rüden ist das Auftreten von rüpelhaftem Verhalten ein Anzeichen der beginnenden Pubertät.

 

Territoriale, soziale und Futteraggression – Unterschiede im Aggressionsverhalten bei Hunden

Aggressives Verhalten wird bei Hunden oft als Verhaltensstörung gesehen, doch das ist falsch. Aggression erfüllt einen evolutionär wichtigen Zweck: Aggression soll Distanz herstellen. Es gibt verschiedene Arten von Aggressionen bei Hunden.

 

Hunde reagieren aggressiv, um Distanz herzustellen.

 

Territoriale Aggression

Ein Hund toleriert keinen anderen Hund in seinem Revier. Dieses Revier definiert jeder Hund individuell. Die Distanz, die ein anderer Hund schaffen muss, ist somit auch individuell unterschiedlich.

Soziale Aggression

Soziale Aggression zeigt sich, wenn ein Hund einen Menschen oder anderen Hund für sich beansprucht oder verteidigen möchte. Die Aggression kann sich gegen Hunde oder Menschen richten. Die sexuelle Komponente verstärkt diese Aggression. Zwischen Rüden kommt es häufig zu „Kommentkämpfen“, bei denen sie sich lautstark streiten. Diese Kämpfe sehen meist dramatischer aus, als sie sind. Kämpfe zwischen Hündinnen sind dagegen meist deutlich ernster. Aggressionen können auch entstehen, wenn der Hund seinen Halter beschützen möchte. Diese Aggression kann sich gegen Hund und Mensch richten. 

Futteraggression

Dass Hunde ihr Futter verteidigen, bedeutet nicht automatisch, dass sie gefährlich sind. Eine Futteraggression entsteht in der Regel, weil der Hund unsicher ist oder Angst hat, auf das überlebenswichtige Futter verzichten zu müssen

So gehen Sie mit dem aggressiven Verhalten Ihres Hundes in der Pubertät um

Es ist wichtig, dass Sie im Umgang mit einem pubertierenden Hund Verständnis und Geduld zeigen. Geben Sie Ihrem Hund in dieser aufwühlenden Zeit Sicherheit, Ordnung und Führung und lenken Sie gleichzeitig bei unerwünschtem Verhalten gegen. Ihr Hund steckt wie ein Teenager in der Entwicklung zu einem Erwachsenen. Schränken Sie ihn deshalb nicht zu stark ein, damit er sich selbstständig entwickeln kann. Bei aggressivem Verhalten ist es allerdings wichtig, den Schutz aller möglichen Beteiligten zu gewährleisten. Führen Sie Ihren Hund an der Leine und gehen Sie, wenn nötig, insbesondere jungen Hunden aus dem Weg. Seien Sie besonders beim Kontakt mit Kindern vorsichtig.

Tipps für den Umgang mit pubertierenden Hunden
  • Legen Sie Regeln fest und setzen Sie diese konsequent durch (z. B.: Darf der Hund im Bett schlafen?).
  • Beruhigen Sie Ihren Hund in stressigen Situationen.
  • Potenzielle Gefahren meiden (z. B. junge Hunde oder Straßenverkehr)!
  • Lange Leine zum Spazierengehen verwenden (damit Sie schnell eingreifen können)!
  • Kommandos erneut üben und stärken!
  • Hundetraining der Impulskontrolle (z. B. Warten vor dem Supermarkt oder Katze im Nachbargarten – Belohnung durch Leckerlis, keine Bestrafung!).
  • Hund-Halter-Beziehung stärken durch gemeinsame Zeit und Zuwendung!
  • Suchen Sie Rat bei einem Experten, wenn Sie unsicher sind oder Schwierigkeiten mit Ihrem Junghund haben.

Die Pubertät: eine aufregende Zeit für Hund und Halter. Mit Geduld und Durchhaltevermögen meistern Sie diese Zeit mit Ihrem Hund gemeinsam. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg!

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