Wenn der Hund aggressiv gegenüber anderen Hunden ist

Warum Hunde aggressiv sein können und wie Sie reagieren sollten

Beim Gassigehen trifft Ihr Hund auf Artgenossen und reagiert mit Aggression? Eine schwierige Situation für Sie und Ihren Hund. Sein aggressives Verhalten kann mehrere Ursachen haben: Stress, traumatische Erlebnisse und sogar Ihr eigenes Auftreten beim Gassigehen beeinflusst, wie Ihr Hund mit anderen Hunden umgeht. Wir zeigen Ihnen, wie Sie die Aggressionen Ihres Hundes in den Griff bekommen.

Warum ist der Hund aggressiv?

In jedem Hund steckt ein ursprünglicher Jagdtrieb. Beim Jagen und Fangen schütten Hunde extrem viele Glückshormone aus. Der Jagdtrieb ist je nach Charakter und Rasse unterschiedlich stark ausgeprägt. Doch inwiefern ein Hund seinen Instinkt ausleben darf, entscheidet jeder Hundebesitzer selbst. Aber nur weil ein Hund Spaß am Jagen hat, heißt dies nicht, dass ein Hund von Natur aus aggressiv ist. Ganz im Gegenteil: Hunde im Rudel ordnen sich anderen Hunden unter, gehen respektvoll miteinander um und vermeiden Streitigkeiten mit fremden Hunden. Die Ursachen eines aggressiven Hundes gegenüber fremden Artgenossen liegen oft woanders begründet als in seiner Natur. Einige Hunde sind aufgrund ihrer Rasse mutiger und selbstbestimmter als Tiere anderer Hunderassen – doch den eigentlichen Charakter Ihres Hundes prägen Sie als Hundebesitzer durch Ihre Erziehungsmaßnahmen. Wenn Ihr Hund bereits im Welpenalter gelernt hat, welches Verhalten beim Zusammentreffen mit Artgenossen unerwünscht ist, haben Sie möglicherweise keine Probleme beim Gassigehen. Vielleicht haben Sie Ihren Hund aber nicht seit dem Welpenalter selbst erzogen. Es ist generell möglich, dass sich Ihr Hund mit der Zeit ein unerwünschtes Verhalten aneignet – dies kann mehrere Gründe haben. Folgende Faktoren lösen Aggressionen beim Hund aus:

Ihr Hund ist gestresst 

In Ihrem Leben ist zur Zeit viel los und Ihr Hund bekommt einiges davon zu spüren. Tatsächlich kann sich Ihr Gemüt auf die Stimmung Ihres Hundes auswirken: Ihr Hund merkt, dass Sie sich anders verhalten als üblich und nimmt diese Veränderungen wahr. Aber auch andere Faktoren lösen Stress beim Hund aus, beispielsweise Schlaf- oder Bewegungsmangel. Diese Unausgeglichenheit macht sich dann bei Ihrem Hund in Form von Aggressivität bemerkbar. Genauso kann Reizüberflutung das Verhalten Ihres Hundes beeinflussen: Sie spazieren in Gegenden, wo immer sehr viele Menschen unterwegs sind und es nahezu immer laut ist? Versuchen Sie es stattdessen mit ruhigeren Gassirunden. Auch Kinder im Haushalt müssen dafür sensibilisiert werden, dass Hunde ruhige Phasen brauchen.

Ihr Hund hat in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht 

Im Leben eines Hundes können schlechte Erfahrungen Spuren hinterlassen. Wenn Ihr Hund beim Gassigehen einen Hund getroffen hat, der ihn verängstigt oder sogar verletzt hat, fungiert sein aggressives Verhalten wie eine Schutzschild: „Wer mir zu nahe kommt, der kriegt es zu spüren”. Auch Hunde aus dem Tierheim sind oft stark traumatisiert und reagieren auf Fremde reflexartig mit Aggressionen. 

Ihr eigenes Verhalten verunsichert Ihren Hund

Wenn Sie selber beim Gassigehen Angst davor haben, dass andere Hunde Ihren Hund angreifen können, lösen Sie durch Ihre Körpersprache und Ihr Verhalten ein ungutes Gefühl bei Ihrem Hund aus. Ihr Hund gleicht die Gefahr, die Sie in anderen Hunden sehen, durch aggressives Verhalten aus. 

Ihr Hund ist krank oder hat Schmerzen

Hunde kommunizieren anders als Menschen. Die Körpersprache und das Verhalten Ihres Hundes sind seine Kommunikationsmittel. Eine Veränderung seines Verhaltens kann ein Ausdruck von Schmerz bedeuten. Um sich vor Berührungen durch andere Artgenossen zu schützen, reagiert er nun aggressiv. Achten Sie zu Hause darauf, ob Ihr Hund bei Streicheleinheiten knurrt und auch Ihnen gegenüber aggressiv wird. Sie denken, Ihr Hund ist krank? Dann ist der Gang zum Tierarzt erforderlich. 

Mangelndes Sozialverhalten

Reflektieren Sie Ihre eigene Hundeerziehung, indem Sie sich das soziale Umfeld Ihres Hundes anschauen. Ist Ihr Hund oft alleine und hat kaum Hundefreunde? Dann ist Ihr Hund beim Gassigehen schlichtweg überfordert, wenn er fremden Hunden begegnet. Den eigenen Hund isoliert aufzuziehen und von sozialen Kontakten fernzuhalten, ist keine artgerechte Hundeerziehung. Ihr Hund lernt schließlich von Ihnen, welches Verhalten gegenüber Artgenossen richtig ist – wenn er keine Hunde trifft, kann er auch nichts lernen. 

Ihr Hund möchte die Kontrolle behalten

Aggression bei Hunden ist ein Mittel der Kommunikation und wird auch als “Mittel zur Distanzvergrößerung” bezeichnet (Feddersen-Petersen, Dorit (2004): Hundepsychologie - Sozialverhalten und Wesen, Emotionen und Individualität. Stuttgart: Kosmos Verlag.). Das heißt, ein Hund versucht räumliche Distanz zu schaffen, indem sein aggressives Verhalten sein Gegenüber zur Distanzierung auffordert. Doch gerade beim Gassigehen an der Leine ist es für den Hund nur eingeschränkt möglich dies zu äußern, was ihn noch aggressiver macht. Sein Wunsch nach Kontrolle wächst.

Es gibt verschiedenste Bereiche, die von Hunden kontrolliert werden wollen, z.B.:

  • Das Territorium: Bei Hunden gilt „meine Straße = mein Revier“. Äußerst dominante Hunde betrachten manchmal sogar die ganze Welt als ihr Revier.
  • Die Ressourcen: Für Ihren Hund sind sein Futter, sein Spielzeug und sein Besitzer Ressourcen, aus denen er Freude schöpft. Deswegen wird das Spielzeug oder Leckerli in Ihrer Hand oder Tasche von ihm verteidigt. Aber auch das eigene Rudel oder der Hundebesitzer können für Ihren Hund Ressourcen sein, die er schützen will. Tipp: Um herauszufinden, ob das der Grund ist, warum Ihr Hund aggressiv ist, lassen Sie Ihren Hund mit einem anderen Menschen spazieren und achten auf sein Verhalten.
  • Die Konkurrenten: Besonders unkastrierte Rüden und auch Hündinnen möchten zeigen, wer das Sagen und die größten Rechte hat. Das bekommen besonders gleichgeschlechtliche Artgenossen zu spüren.

Aggression beim Hund frühzeitig erkennen und verhindern

Ihr Hund wird nicht von jetzt auf gleich aggressiv. Sie können an seiner Körpersprache beobachten, ob er sich unwohl fühlt und ob sich möglicherweise ein aggressives Verhalten ankündigt. Wenn Sie das durchschauen, greifen Sie ein, noch bevor er aggressiv wird.

Ihr Hund ist angespannt, wenn … 

  • er seine Ohren aufstellt
  • er eine starre Haltung einnimmt
  • sein Blick fokussiert ist
  • er sein Rückenfell aufstellt 
  • er seine Rute aufstellt (manchmal auch eine leicht zitternde Rute)
  • er sein Maul leicht geöffnet hat und die Zähne zeigt

Wenn Sie diese Körpersprache Ihres Hundes bei der Begegnung mit anderen Hunden beobachten, können Sie eingreifen. Sorgen Sie dafür, dass sich Ihr Hund von der für ihn ungemütlichen Situation entfernt. Am besten vermeiden Sie für eine Weile den bewussten Kontakt zu anderen Hunden, indem Sie beim Gassigehen die Leine nicht lösen und Ihren Hund stets an Ihrer Seite führen. Wenn Sie nun auf einen anderen Hund treffen, stellen Sie sich vor Ihren Hund, damit er diesen nicht wahrnimmt. Sie können Ihren Hund ebenso mit einem Spielzeug ablenken. Vermeiden Sie, selber in solchen Situationen nervös zu werden, das verunsichert Ihren Hund – zeigen Sie Ihrem Hund, dass es keinen Grund gibt, Angst zu haben! Folgendes Video zeigt, wie Sie und Ihr Hund problemlos an anderen Hunden vorbeigehen können:

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Wann ist ein Maulkorb sinnvoll?

Wenn Ihr Hund bereits bei der Begegnung mit einem anderen Hund versucht hat zu schnappen, sollten Sie einen Maulkorb für die bevorstehenden Gassirunden in Betracht ziehen. Wenn Ihr Hund dann die darauffolgenden Male auf Ihre Kommandos eingeht, können Sie den Maulkorb wieder entfernen.

Hundeschule, -training,  oder Hundepsychologe

Verschwindet das aggressive Verhalten Ihres Hundes nicht von selbst, müssen Sie aktiv versuchen, den Auslöser zu finden und das Problem zu beheben. Meist ist die Hilfe von Experten nicht zu vermeiden. Informieren Sie sich über Angebote in Hundeschulen, über Hundetraining oder sogar über Hundepsychologen. Tipps von Experten bringen nicht nur Ihren Hund weiter, sondern auch Ihr Erziehungswissen. Außerdem schweißen gemeinsame Stunden, in denen Sie beide etwas lernen und Spaß haben, zusammen. 

Fazit: Sie sind nicht allein – es gibt viele Hundebesitzer, die unter dem aggressiven Verhalten ihres Hundes gegenüber Artgenossen leiden. Wichtig ist es, die Ursache zu erkennen, rechtzeitig zu reagieren und dementsprechend den Hund zu erziehen.

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