Der Fellwechsel beim Hund –
und was Sie für den Herbst noch wissen müssen

Fellpflege, Zeitumstellung, Heizungsluft –
jetzt beginnt die Indoor-Saison

Die Tage werden spürbar kürzer. Wenn es draußen kälter und ungemütlicher wird, verlagert sich unser Lebensmittelpunkt wieder nach drinnen. Mit Beginn der Indoor-Saison ändert sich für Mensch und Hund die Umgebung, in der sie sich aufhalten. Wir sind immer öfter von Heizungsluft statt von frischer, klarer Luft umgeben. Bei Ihrem Hund findet mit dem Jahreszeitenwechsel auch der Fellwechsel statt. Wie geht Ihr Hund mit dem Jahreszeitenwechsel um? Können Hunde eigentlich auch unter einem November-Blues leiden? Wir haben Tipps, wie Sie und Ihr Hund gesund und zufrieden durch den Herbst kommen.

Alles, was Sie über den Fellwechsel Ihres Hundes wissen müssen

Haare im Flur, Haare auf den Klamotten, Haare im Auto – im November läuft der Fellwechsel Ihres Hundes auf Hochtouren. Das Sommerfell hat ausgedient und wird nach und nach abgeworfen. Im Herbst fällt der Fellwechsel zwar nicht so stark aus wie im Frühling, doch auch der Wechsel von Sommer- auf Winterfell kann es bei bestimmten Rassen in sich haben. Bis zu 9.000 Haare pro Quadratzentimeter trägt ein Hund im Durchschnitt. Die Dichte der Haare variiert von Rasse zu Rasse.

Rund sechs bis acht Wochen dauert der Vorgang, das alte Fell des Hundes abzuwerfen und ein neues Fell aufzubauen.

Gesteuert wird der Prozess des Fellwechsels durch mehrere Faktoren:

  • Hormonell durch Tageslichtverhältnisse und Temperaturwechsel
    Werden die Tage kürzer und die Temperaturen niedriger, stellt sich der Organismus des Hundes um.  
  • Genetik/Rasse
    Bestimmte Rassen wie der Pudel haben keinen klassischen Fellwechsel, andere Hunde, wie der Berner Sennenhund, haaren dagegen das ganze Jahr hindurch.

Einfluss nehmen auch die Ernährung, die Vitalität und das AlterIhres Hundes.

Hormone steuern den Fellwechsel – und ziehen Energie ab

Alte und chronisch kranke Hunde tun sich meist schwerer mit dem Wechsel. Auch Stress kann den Fellwechsel beeinträchtigen. Läufige Hündinnen und kastrierte Hunde haaren oftmals das ganze Jahr über. Der Prozess ist übrigens für alle Hunde mit einem körperlichen Aufwand verbunden. All dies hängt mit den Hormonen und dem Stoffwechsel zusammen. Weil der Fellwechsel viel Energie benötigt, können Hunde für Krankheiten anfälliger werden. Hier können Sie Ihren Hund mit einem ausgewogenen Hundefutter unterstützen.

Der Vorgang des Fellwechsels ist unabhängig von der Rasse immer derselbe: Sobald der Organismus des Hundes das Signal „Fellwechsel“ sendet, wird das „alte“ Haar von dem neuen Haar aus der Wurzel geschubst. Die Anzahl der Haare pro Wurzel bleibt also gleich, auch wenn es so aussieht, als hätten unsere Hunde im Winter mehr Fell. Es hat nur eine andere Struktur, ist fester und dichter. Manche Hunderassen bilden Unterfell, das unter dem Deckhaar wächst.

 

      Von hinten nach vorne: Das Fell wird nicht im Ganzen abgeworfen – der Fellwechsel setzt am hinteren Körperende des Hundes an und zieht sich über die Körpermitte nach vorne.

Die richtige Fellpflege für Ihren Hund

Während des Fellwechsels benötigen einige Rassen mehr unterstützende Pflege als andere. Entscheidend ist dabei die Struktur und Länge des Hundehaars. Anhand der Tabelle können Sie einordnen, wie oft und in welchem Umfang Sie Ihrem Hund Gutes tun können. 

 

Eigenschaft:
Langes Deckhaar mit wenig bis viel Unterwolle

Rassen:
Deutsch Langhaar, Collie, Afghanischer Windhund, Tibet Terrier, Setter, Spaniel

Häufigkeit außerhalb des Fellwechsels:
täglich

Pflegeprodukte:
Natur- oder Drahtbürste
Feinzinkigen Striegel oder Kamm
Unterwollbürste 
Zupfbürste

Eigenschaft:
Kurzes, festes Deckhaar (1 bis 2 Zentimeter) mit wenig bis gar keiner Unterwolle

Rassen:
Dobermann, Rhodesian Ridgeback, Boxer, Beagle, Mops

Häufigkeit außerhalb des Fellwechsels:
2- bis 3-mal wöchentlich

Pflegeprodukte:
Grobe Bürste mit langen abgerundeten Spitzen
Noppenbürste oder Massagehandschuhe

Eigenschaft:
Mittellanges, festes Deckhaar mit dichter Unterwolle

Rassen:
Cairn Terrier, Schnauzer, Deutscher Drahthaar, Jack Russel Terrier, Rauhaardackel

Häufigkeit außerhalb des Fellwechsels:
1-mal wöchentlich, regelmäßig trimmen lassen

Pflegeprodukte:
Bürste und Kamm mit kurzen Spitzen
Drahtstriegel
Noppenhandschuhe
Unterwollbürste 
Zupfbürste

Eigenschaft:
Kurzes Stockhaar ist zwischen 3 und 4 Zentimeter lang, langes dagegen bis zu 10 Zentimeter

Rassen:
Rottweiler, Labrador, Deutscher Schäferhund, Collie, Husky

Häufigkeit außerhalb des Fellwechsels:
1-mal wöchentlich

Pflegeprodukte:
Bürste und Kamm 
Massagehandschuhe

Grooming: Das passiert, wenn Sie regelmäßige Fellpflege bei Ihrem Hund betreiben

Gerade während des Fellwechsels ist eine regelmäßige Fellpflege, auch Grooming genannt, angebracht – und wird sicherlich gerne angenommen. Denn damit unterstützen Sie Ihren Hund dabei, abgestorbenes Haar schneller abzuwerfen. Darüber hinaus werden durch regelmäßiges Bürsten und Kämmen die Durchblutung gefördert und damit die Talgdrüsen angeregt. Sie produzieren Fett und somit einen natürlichen Schutz für das Haar. Neben den physiologischen Vorteilen der Fellpflege profitieren Sie und Ihr Hund auch von einer engeren Bindung: Fellpflege ist Wellness. Körperliche Zuwendung kann einen neuen Zugang zu Ihrem Hund schaffen. Nehmen Sie sich also bewusst Zeit für regelmäßiges Grooming – ganz nebenbei sparen Sie sich so mindestens einen Staubsauger-Durchgang. 

Ernährung während des Fellwechsels

„Zeig mir dein Fell und ich sag dir, was du frisst.“ Das Fell Ihres Hundes ist ein hilfreicher Indikator dafür, ob Ihr Hund alle wichtigen Nährstoffe zu sich nimmt. Fehlen Proteine, Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente oder Fette, wirkt das Haar struppig und glanzlos. Wie beim Menschen auch besteht das Hundehaar fast ausschließlich aus Keratin. Je nachdem, wie intensiv der Fellwechsel Ihres Hundes ausfällt, benötigt er zusätzliches Eiweiß für das Haarwachstum, denn Keratin besteht hauptsächlich aus Eiweiß und Aminosäuren. Daher sollten Sie während dieser Zeit Hundefutter mit hochwertigen Proteinen (reines Fleisch) und Ölen wie Leinöl, Lachsöl und Bierhefe füttern.

Vom Matsch direkt in die Wohnung: Baden oder nicht?

Wir raten dazu, Ihren Hund maximal zwei- bis dreimal im Jahr zu baden. In der Regel reicht es, wenn Sie Ihren Hund nach einem matschigen Waldspaziergang abtrocknen und bürsten. Hartnäckiger Schmutz lässt sich am besten mit klarem Wasser entfernen. Sollte sich Ihr Hund voller Hingabe in übelriechender Jauche gewälzt haben, ist ein Bad mit Hundeshampoo wahrscheinlich unausweichlich.

Sechs Wochen bis zur natürlichen Hautregeneration
nach dem Baden

Um den natürlichen Schutzfilm der Haut wieder gänzlich herzustellen, benötigt der Organismus Ihres Hundes bis zu sechs Wochen. Gehen Sie also sorgsam vor und baden Sie Ihren Hund nur, wenn es unvermeidlich ist. Verwenden Sie ausschließlich Hundeshampoo ohne Parfüm.

Heizungsluft: Kuschelig oder schädlich für Ihren Hund?

Draußen ist es ungemütlich, regnerisch und kalt? Dann legen wir gerne Holz im Kamin nach oder drehen die Heizung hoch. Übertreiben sollten wir es aber nicht – die ideale Zimmertemperatur liegt für Hunde zwischen 18 und 20 Grad. Eine geringe Luftfeuchtigkeit führt zu trockenen Schleimhäuten und trockener Haut – Juckreiz, Atemprobleme und Bindehautentzündungen können die Folge sein.

 

    Gehen Sie mit Ihrem Hund im Herbst sooft es geht an die frische Luft. Sorgen Sie für eine ausreichende Luftfeuchtigkeit in beheizten Räumen – regelmäßiges Stoßlüften und aufgestellte Wasserschalen schützen die Haut und die Schleimhäute vor dem Austrocknen.

Die Uhren ticken anders:
Was bedeutet die Zeitumstellung für Ihren Hund?


Grundsätzlich sind Hunde unabhängig von Uhren. Sie richten sich in der Regel nach dem Tagesrhythmus ihres Halters. Wenn also immer alles nach Plan läuft, Rituale zu festen Uhrzeiten etabliert sind und diese sich dann um eine Stunde verschieben, kann der Hund irritiert sein. Indem Sie die Futterzeiten zwei bis drei Wochen vor der Zeitumstellung langsam anpassen, können Sie kleinen Irritationen entgegenwirken. Gänzlich unberührt von der Zeitumstellung sind unsere heimischen Wildtiere wie Rehe, Igel oder Hasen. Sie folgen weiterhin ihrer inneren Uhr und ziehen zur gewohnten Zeit zu ihren Futterplätzen. Und stoßen so hin und wieder unerwartet auf Straßenverkehr oder eben auf Hunde, die vor der Zeitumstellung eigentlich nicht unterwegs waren.

November-Blues? Können Hunde auch bedrückt sein?

Ganz klar: ja! Dauerregen, Sturm und kühle Temperaturen – nordische Rassen mögen sich darüber freuen, wie der Husky, der geradezu aufblüht, wenn es kalt und verschneit ist. Andere Rassen, wie der Windhund, sind genetisch an hohe Temperaturen angepasst. Wenn der Herbst Einzug hält und Ihr Hund keine Freude am nasskalten Wetter hat, fehlt es oft an der nötigen Bewegung. Und Bewegungsmangel kann träge machen und in manchen Fällen auch schlechte Laune hervorrufen. Achten Sie in diesem Fall also darauf, dass Sie zu Hause für ausreichende Spiel- und Tobezeit sorgen. Wenn Ihr Hund ansonsten sein normales Verhalten zeigt, können Sie davon ausgehen, dass es sich nur um eine kurzzeitige Verstimmung handelt. 

Gestalten Sie sich und Ihrem Hund eine aktive und gesunde Herbstzeit. Weitere Tipps und Informationen zu den Themen Erkältung beim Hund,  Spazierengehen in der dunklen Jahreszeit und Hundekleidung finden Sie unserem November-Magazin.

 

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