Hundemantel und Pfötchenschuhe – warum eigentlich?

Eine Debatte zwischen Vermenschlichung, bedürfnisgerechtem Schutz und unserem eigenen Stolz – ein Plädoyer

Dieses Thema spaltet. Nicht nur Hundehalter haben eine Meinung dazu, sondern auch Menschen, die niemals auch nur einen Gedanken an einen eigenen Hund verschwendet haben. Der Vorwurf der Vermenschlichung ploppt beim Thema Hundemantel und Pfotenschuhen immer mal wieder auf. Dabei gibt es Hunde, die bei Kälte und Nässe sehr empfindlich reagieren und Schutz brauchen. Es scheint, als gäbe es das Lager der überbetüdelnden Plüschhunde-Besitzer und jene, die auch dann keine Abhilfe schaffen, wenn ihr Hund im Winter vor Kälte zittert.

Lautet die Frage also wirklich: Wann ist ein Hund ein Hund? Und was hat unser eigenes Ego damit zu tun?

Es ist unumstritten, dass Hunde so individuell sind wie wir Menschen. Das gilt auch für ihr Kälteempfinden. Die einen frieren bei 15 Grad, während andere noch bei minus 20 Grad fröhlich im Tiefschnee herumtoben. Pauschale Temperaturangaben, ab wann ein Hund friert, sind daher aus unserer Sicht unseriös.

Hundemantel und Pfötchenschuhe: ja oder nein?

Unsere klare Haltung dazu: Ja, wenn Ihr Hund friert, alt oder krank ist. Nein, wenn Ihr Hund Kälte schätzt, fit, vital und gesund ist. Nun weichen die Meinungen und Einstellungen der Hundehalter teilweise stark voneinander ab. Da spielt auch unsere Persönlichkeit und unser Ego mit rein. Finden wir Hunde mit niedlichen Schühchen an den Pfoten und einem Regenmäntelchen herzerweichend, neigen wir vielleicht eher dazu, unseren Hund so zu kleiden. Andererseits gibt es Hundehalter, die durch die Optik ihres Hundes eine gewisse Stärke, manchmal auch Härte, übermitteln möchten. Kurz gesagt: Hundekleidung transportiert gesellschaftlich immer auch ein Bild. Den einen kommt’s gerade recht, andere sehen darin eine Verweichlichung des Tieres und eine Abschwächung des eigenen Egos.


„Sollte Ihr Hund frieren und gleichzeitig einen Hundemantel verweigern, gehen Sie lieber mehrfach kurze Gassirunden als wenige große. Als Hundehalter übernehmen wir in jeder Lebens- und Witterungslage die Verantwortung für unsere Hunde. Dazu gehört auch, die eigenen Vorstellungen und Sichtweisen hinter den Bedürfnissen des Hundes zu stellen."

Aber keine Sorge. Die Bekleidungsindustrie hat mittlerweile für alle zwei- und vierbeinigen Zielgruppen das passende Outfit zum gewünschten Statement – vom zart rosafarbenen Regenmantel bis zum sportlichen Jagdhund-Dress. Um differenzierter in das Thema einzutauchen, blicken wir auf individuelle Merkmale, die entscheiden, ob Ihr Hund im Winter Schutz benötigt, oder nicht. 

Die Rasse: Robust, zart, sensibel oder Bomber? Wie kälteempfindlich Ihr Hund ist, das ist auch genetisch bedingt.

Das Herkunftsland: Südländische Regionen oder skandinavische Kälte? Das Klima des Herkunftslandes prägt auch die Thermoregulation.

Die Haar- und Fellbeschaffenheit: Unterwolle, viel Haar, wenig Deckhaar, Haarausfall? Oder ist Ihr Hund rassebedingt nackt? Ein Hirtenhund mit viel Fell kommt naturgemäß besser mit Kälte klar als ein peruanischer Nackthund. 

Katja, Einkauf, mit Jack-Russel-Mix Ojo, aus dem Tierschutz, Hundesenior:
Beim Thema Hundemantel scheiden sich definitiv die Geister. Ich finde Ojo mit Mantel „erschreckend“ süß, aber das ist nicht der primäre Grund. Ojo hat rassebedingt keine Unterwolle. Null. Er ist damit einfach nicht wintertauglich bei ausgedehnten Spaziergängen. Solange er in Bewegung ist und die Temperaturen über 5 Grad sind, geht das eigentlich noch. Aber man steht ja auch mal, beispielsweise wenn er zum Shoppen mitkommt.

Das Alter: Welpen haben noch kein schützendes Fell, daher raten wir bei Kälte und Nässe dazu, einen jungen Hund mit einem Hundemantel zu schützen. Auch im fortgeschrittenen Alter kann Ihr Hund schneller frieren, selbst dann, wenn er sein Leben lang ohne Kälteschutz im Winter auskam. 

Der Gesundheitszustand: Stoffwechselprobleme, Arthritis, Rückenleiden, chronische Erkrankungen, ein schwaches Immunsystem oder Gelenkprobleme sind Erkrankungen, die einen Hundemantel absolut erfordern.

Pfötchenschuhe: Wann sie sinnvoll sind und wie Sie die Pfoten Ihres Hundes präventiv schützen

Bei spröden und rissigen Pfoten besteht die Gefahr, dass Dreck und Streugut im Winter Schmerzen verursachen. Sobald Sie erkennen, dass Ihr Hund nicht schmerzfrei Gassi gehen kann, sind Pfotenschuhe ratsam. Präventiv können Sie die Pfoten mit einem Pfotenbalsam einreiben und die Haare zwischen den Ballen kürzen, damit kein Schmutz hängen bleibt. Nach dem Spaziergang reinigen Sie die Pfoten in lauwarmem klarem Wasser.

So erkennen Sie, dass Ihr Hund friert

  • Ihr Hund verweigert bei Kälte und Regen die Gassirunde
  • Die Bewegungen sind steif und langsam
  • Die Rute ist eingezogen
  • Die Muskeln Ihres Hundes zittern

Die Temperatur-Toleranzgrenze ist bei Haushunden, die in beheizten Räumen leben, übrigens niedriger als bei Straßenhunden. 

Romy, Marketing, mit Rocky, einem kleinen Mischling aus dem Tierschutz, ca. 4 Jahre:
Es ist schon niedlich anzuschauen, wenn Hunde einem entgegenkommen, die mit einem liebevoll ausgesuchten Mantel gekleidet sind. Ich selber habe immer gesagt, dass ich meinem Hund NIE – wirklich NIE – einen Mantel überstülpen würde, sollte er ihn nicht wirklich benötigen. Nun habe ich einen Vierbeiner-Mix aus Spanien, der mir regelmäßig zu verstehen gibt, wie doof er doch das Regenwetter findet. Jetzt habe ich einen Mantel gekauft. Ob er die nächste Regenphase angenehmer macht, müssen wir noch testen!

Wie Sie einen Hundemantel richtig einsetzen

Ob Ihr Hund einen Kälte- oder Regenschutz benötigt, können Sie jetzt beurteilen. Nun kommt es noch auf die richtige Handhabung an. Sonst verpufft selbst der bestgemeinte Effekt eines Hundemantels. 

  • Achten Sie auf Material wie Fleece oder Polyester (siehe dazu auch das Statement der Bundestierärztekammer [Sprungmarke]). Darüber hinaus sollte der Hundemantel wasser- und windabweisend sein. 
  • Ziehen Sie Ihrem Hund den Mantel erst an, wenn Sie unmittelbar danach losgehen (nicht schon während der Autofahrt oder in der warmen Wohnung).
  • Beim Toben mit anderen Hunden oder bei sportlicher Betätigung sollten Sie Ihrem Hund den Hundemantel abnehmen. Sonst schwitzt er schnell und kühlt danach aus.   

Ist ein Hundemantel im Winter nötig? Das sagt die Bundestierärztekammer:

„Bei gesunden Hunden ist für Spaziergänge draußen meist kein Mantel erforderlich. Für alte oder kranke Tiere, Rassen mit kurzem Fell und ohne Unterwolle kann ein Hundemantel in Ausnahmefällen sinnvoll sein. Beim Kauf sollte auf leichtes, hautverträgliches und atmungsaktives Material geachtet werden. Wolle, Baumwolle und daraus Selbstgestricktes ist nicht wasserabweisend und daher nicht geeignet. Der „Mantel“ muss gut sitzen und darf keinen Körperteil einschnüren oder auf der Haut scheuern. Er sollte aber auch nicht zu locker sitzen, denn dann wärmt er nicht genug oder der Hund bleibt an Gegenständen oder Sträuchern hängen.“

Link zur Bundestierärztekammer:
https://www.bundestieraerztekammer.de/presse/pressemeldung.php?X=20120220121405

Miriam, IT, mit Schäferhündin Amelie, vom Züchter, 7 Jahre:
Unsere Hündin verbringt den größten Teil der Zeit draußen und hat sowohl dadurch wie auch rassebedingt SEHR(!) viel Unterwolle – beim Fellwechsel im Frühjahr hat man mit der Unterwolle wochenlang zu tun und es kommen Mengen zusammen, als würden wir ein Schaf halten. Amey würde aktuell (nicht krank, kein Senior) durch einen Mantel nur behindert werden und hätte keinerlei Nutzen davon. Gerade bei sportlichen Aktivitäten hechelt sie schnell und sie legt sich auch im Winter bewusst an kühlere Stellen. Wir achten auch darauf, dass sie bei Kälte mehr Futter bekommt, damit sie die nötige Energie aufbringen kann, um sich warm zu halten.

Sollte Ihr Hund frieren und gleichzeitig einen Hundemantel verweigern, gehen Sie lieber mehrfach kurze Gassirunden als wenige große. Als Hundehalter übernehmen wir in jeder Lebens- und Witterungslage die Verantwortung für unsere Hunde. Dazu gehört auch, die eigenen Vorstellungen und Sichtweisen hinter den Bedürfnissen des Hundes zu stellen.

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